finmar ist offline – in Hamburg sagt man Tschüss! – Post #56

Liebe Leserinnen und Leser,

nach zwei Jahre und drei finanzierten Projekten legt finmar vorerst eine kreative Schaffenspause ein. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt unser Team zurück auf eine spannende, unglaublich dynamische, zuweilen anstrengende und mega tolle Zeit zurück, in der wir Vieles ausprobiert und gelernt haben. Doch all das wäre uns nicht gelungen, wenn ihr – liebe Projektinitiatoren und Crowdlender – nicht gewesen wärt. Ihr habt unsere Plattform lebendig gemacht. Wir bedanken uns für Euer Vertrauen!

Also lasst uns noch einmal gemeinsam einen Blick zurück werfen auf Crowdlending mit finmar:

kleinerdrei – finmars erstes Crowdlending Projekt

Inmitten des Hamburger Schanzenviertels bietet kleinerdrei alles Wichtige für den Start ins Leben unter einem Dach: Hebammenpraxis, Kursangebote sowie Kinder- und Familienbedarf. Die Crowd war und ist begeistert von diesem Konzept und steuerte 12.000 EUR als Startkapital zusammen mit finmar bei. Die Inhaber freuen sich über euren Besuch, schaut gern mal wieder in ihrem Laden in der Schanze vorbei!

LokalDesign – individuelle Möbel von der Crowd, für die Crowd

Ebenfalls im Hamburger Schanzenviertel findet ihr auch LokalDesign. Für die Fertigung einzigartiger und hochqualitativer Möbel gab die Crowd zusammen mit finmar 12.000 EUR zu diesem tollen Konzept dazu. Das LokalDesign-Team  unterstützt junge Designtalente. Schaut es euch einfach direkt vor Ort in ihrem Laden an!

Nymphia – am Ende muss ein Produkt doch auch „sexy“ sein

Das Crowdlending-Projekt aus dem Bereich der Gesundheitsvorsorge konnte die Crowd leider nicht überzeugen. Mit „Nymphia“, einem kleinen Zeckenentferner, wollte der Projektinitiator den fiesen Biestern auf den Leib rücken und benötigte dafür 12.000 EUR von der Crowd. Das benötigte Kapital kam jedoch nicht zusammen – schade…

Honig Bracker – finmars süßes Abschieds-Projekt

Aller guten Dinge sind drei! finmars vorerst letztes Crowdlending-Projekt drehe sich um das Traditionsunternehmen Bracker. Dieses veredelt mit viel Liebe für die Bienen und großem Respekt vor der Natur Qualitätshonig für den nationalen und internationalen Markt. Für eine neue Abfüllanlage baten die Honig-Spezialisten die Crowd um 19.000 EUR. Schnell war das süße Honig-Investment über finmar finanziert und neben vielen weiteren Sorten können die Klassiker Heide- und Lindenblütenhonig nun noch schneller und effizienter abgefüllt werden. Das Unternehmen ist mittlerweiel leider insolvent. Der Unternehmer hat nun einen Job und bedient die Kreditraten an die Anleger aus seinem Gehalt.

Lessons learned

Was nehmen wir nun also mit aus dieser tollen Zeit? Was hätten wir anders oder besser machen können? Was hat vielleicht gefehlt? Und was bleibt am Ende? das Wissen wir heute auch noch nicht so genau. Wir sind noch am sortieren und reflektieren. Ein erster Versuch unsere Gedanken aufzuschreiben:

Ohne Moss ist nicht viel los…

finmar wollte sich aus eigener Kraft, mit eigenen Mitteln aufbauen und hatte sich das Bootstrapping auf die Fahne geschrieben. Eine große Herausforderung, die am Ende leider zu groß war. Mit Blick zurück wissen wir jetzt, dass besonders in der dynamischen Online-Welt ausreichend „Bewegungskapital“ nötigt ist, um auf die „Beschleunigungsspur“ zu kommen und mit den Wettbewerbern gleichzuziehen. Doch dies, die Gründer unter euch werden es wissen, ist immer auch ein trade-off zwischen „eigener Herr im Haus bleiben“ und „Anteile an der Geschäfts-Idee abgeben“. Vielleicht wäre es mit Investoren anders gelaufen. Aber wäre anders auch besser gewesen? Wer weiß, wer weiß. Eines wissen wir aber ganz sicher: Am Ende gehört auch immer eine gute Portion Glück und „zur-richtigen-Zeit-am-richtigen-Ort-sein“ dazu.

Ganz oder gar nicht?

Wer bootstrapped hat immer auch noch einen anderen, „richtigen“ Job im Hintergrund zu erledigen, der die Miete und das Leben „bezahlt“. Klar, dass dann nicht mehr so viel Zeit für die Gründungsidee übrig bleibt, wie eigentlich nötig wäre. Irgendwann kommt man als Gründer an den Punkt, an dem man sich entscheiden muss – ganz oder gar nicht, Job in den Sack hauen und sich voll auf die Gründungsidee stürzen. Haben wir diesen Punkt verpasst? Oder haben wir uns am Ende nicht getraut? Eines ist sicher: Neben Glück und dem richtigen Zeitmanagement gehört auch eine ganze Menge Mut und sicher auch ein bisschen Verrücktheit dazu.

Kredite gehen auch ohne Banken!

Zu kleiner Kredit, unsichere Branche, nicht lukrative Geschäftsidee – Ablehnungsgründe gab und gibt es für Bankkredite viele. finmar wollte in diese Finanzierungslücke, vor der viele Kleinunternehmer und Gründer stehen, eintreten und ihnen die Finanzierung geben, die andere ihnen verwehrten. Das dies auch ohne Banken möglich ist, haben kleinerdrei, LokalDesign und Honig Bracker gezeigt, indem sie sich den nötigen Kredit anstatt von der Bank, einfach von ihren künftigen Kunden geliehen haben!´

Die Crowd will begeistert werden!

Durch die Zusammenarbeit mit den Initiatoren unserer Projekte wissen wir, dass das Produkt die Crowd im wahrsten Sinne des Wortes „ansprechen“ muss. Neben niedergeschriebenen Produktinformationen, den „harten Fakten“, müssen auch Bilder und ein tolles Video her, um die Crowd zu erreichen. So eine Crowdlending-Kampagne ist aufwendig. Vielleicht zu aufwändig.

Das betahaus – coolster co-working space überhaupt!

Eigenes Büro war gestern. Das betahaus in Hamburg bietet alles, was der Gründer von heute braucht und noch vieles mehr. Zusammen mit anderen Gründern arbeitet man an seiner Idee, tauscht sich aus, knüpft wertvolle Kontakte, schließt tolle Freundschaften, diskutiert und kritisiert,  lacht und weint und atmet die kreative Luft in dieser offenen und belebenden Arbeitsatmosphäre ein. Ein toller Ort von und für Gründer und finmars Zuhause. Das war auch im Nachhinein sicher richtig und würden wir wieder so machen.


Wir könnten diese Liste sicher noch ewig weiter führen. Vielleicht werdenwir das in den nächsten Wochen und Monaten hier tun – auf diesem Blog. Der bleibt bis auf weiteres online.

Am Ende bleibt in jedem Fall ein tolles Team, das auch über finmar hinaus bestehen bleiben und in anderen Projekten weitermachen wird!

Ohne Abschied gibt es kein Wiedersehen…

In diesem Sinne bedanken wir uns bei all unseren Unterstützern und Partnern!

Auf bald,
euer finmar-Team

Veröffentlicht von

Clas Beese

Clas Beese

Clas ist Gründer von finmar. Die Idee entstand 2010: Clas erfuhr erstmals von Crowdlending. Kleine Kredite waren für Selbstständige fast unerreichbar, dass wusste er als Gründungsberater. Crowdllending für Selbstständige war der Schluß. Clas kündigte 2011 seinen Job und widmete sich finmar, seinem ersten Fintech-Startup. Die Plattform ging 2013 live. Trotz vieler Versuche wurde sie nicht erfolgreich. 2015 ging finmar offline.