finmar 2014 – ein Jahresrückblick… -Post #50

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Jahr neigt sich – wieder einmal – dem Ende entgegen, ein besonders spannendes und ereignisreiches Jahr 2014 für finmar. Eine gute Gelegenheit, um einen Blick zurück zu werfen…

finmar feiert einjährigen Geburtstag!weihnachten

Im Dezember 2013 ging das Team mit seiner Crowdlending-Plattform offiziell online. Seither ist viel passiert. Neue Mitarbeiter haben das Team verstärkt, das Kleinanlegerschutzgesetz sorgte für Aufregung in der gesamten Crowdfundingszene und auch wir hielten den Atem an. Die Ausnahme für das Crowdlending sorgte dann im Herbst für Erleichterung im finmar-Team. Und am allerwichtigsten: 2 Projekte konnten erfolgreich via finmar finanziert werden – LokalDesign und kleinerdrei!

kleinerdrei baut weiter aus…

finmars erstes Finanzierungsprojekt vereint Hebammenpraxis, Kursangebote und alles rund ums Kind unter drei Jahren. „Wir suchten damals nach einer schnellen Möglichkeit uns zu finanzieren und da passte finmar einfach perfekt. Aktuell bauen wir unsere Kurse aus und möchten im nächsten Jahr auch einen Online-Shop eröffnen“ – berichten die Inhaber in einem Interview 4 Monate nach der erfolgreichen Finanzierung. finmar wünscht viel Erfolg dabei!

LokalDesign begeistert auf internationaler Messe…

Einzigartige und hochqualitative Möbel in individueller Fertigung – dafür steht LokalDesign und präsentierte dies auf der diesjährigen Hamburger Designmesse Blickfang. „Wir benötigten damals Geld, um die Produktion des Messestandes und der Ausstellungsstücke zu finanzieren. Crowdlending mit finmar stellte sich als Lösung heraus“ – freuen sich die beiden Gründerinnen. Auch in Zukunft will LokalDesign mit neuen Vertriebswegen und Designideen weiter durchstarten. finmar wünscht viel Erfolg dabei!

finmar erregt Aufmerksamkeit in (inter-)nationaler Presse…

2015 wird bei finmar vieles neu…

finmar baut um und erscheint im nächsten Jahr in neuem Glanz: verbesserte Konditionen, vereinfachte Projektdarstellung und verbesserte Bedienbarkeit. Wir werden einen Newsletter verschicken, wenn es soweit ist. Dazu können Sie sich hier registrieren, falls Sie es nihct schon sind: finmar Newsletter

Crowdlending als Finanzierungs- und Anlageinstrument? Natürlich!

Wollen auch Sie Ihre Gründungsidee oder Ihr Unternehmen mit Crowdlending voranbringen und dabei nicht von Banken oder anderen Finanzierungspartnern abhängig sein, sondern „eigener Herr im Haus bleiben“? Suchen Sie nach neuen Anlagemöglichkeiten und wollen dabei schon mit kleinen Beträgen zum Unternehmensinvestor werden? Gehen Sie mit finmar neue Wege der Finanzierung und Anlage!
Sprechen Sie uns an (anne-katrin.maier@finmar.com) – gemeinsam können wir Bedarf und Chancen einschätzen, einen Plan für Ihr Marketing entwickeln und Ihre Kampagne erfolgreich an den Start bringen.

Wir wünschen besinnliche Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2015!

Bleiben Sie uns gewogen

Ihr finmar-Team

Nach Crowdlending: Lokaldesign auf Designmesse Blickfang. Post #49

Mit einem finmar Crowdlending haben Julia Oertel und Katharina Roedelius im Sommer erfolgreich Geld für ihren Laden Lokaldesign eingesammelt. Dieses Geld haben sie genutzt. Jetzt präsentieren sie sich auf der internationalen Designmesse Blickfang und starten in die eigene Produktion.

Eingang des Ladens von LokaldesignDer Name Lokaldesign steht für Design mit lokalem Bezug im Möbel- und Einrichtungsbereich. In dem Laden an der Hamburger Sternschanze bietet sich talentierten Nachwuchsdesignern eine Plattform, ihre Werke professionell zu präsentieren. Design-affine Kunden finden hier einzigartige und hochqualitative Möbel, die lokal und individuell gefertigt werden.

Julia Oertel und Katharina Roedelius halten das Logo von Lokaldesign in der HandDie klugen Köpfe hinter dem Konzept sind Julia Oertel und Katharina Roedelius. Schon während ihres BWL-Studiums unterstützten sie ihre Design studierenden Bekannten dabei, Vertriebsmöglichkeiten für entworfene Lampen, Accessoires und Möbel zu finden. 2011 wagten die beiden dann den nächsten Schritt und eröffneten ihren ersten Laden. Mit viel Arbeit und wenig Urlaub haben sie sich seitdem unter Designern so gut etabliert, dass die Produktangebote die räumlichen Möglichkeiten des Ladens mittlerweile übersteigen. Und mehr noch: Lokaldesign hat sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zu einem Must-See bei einem Schanzenbesuch entwickelt.

Nun tritt Lokaldesign erstmals auf der internationalen Designmesse Blickfang auf. Vom 28. bis 30. November 2014 präsentieren Julia und Katharina in den Hamburger Messehallen einem vielschichtigen Publikum ausgewählte Ausstellungsstücke.

Crowdlending zur schnellen und überschaubaren Finanzierung der Produktion.

12.000 € benötigten sie für die Produktion des Messestandes und die Herstellung der Ausstellungsstücke. Lange war die Finanzierung unklar. Bis sich ein Crowdlending mit finmar sich als Lösung herausstellte.

Blick in den Laden von Lokaldesing„Beim Crowdlending ist der rechtliche Rahmen ganz klar abgesteckt, für uns und auch für die Investoren. Auch die Handhabung nach der erfolgreichen Kampagne ist recht unkompliziert“, erklärt Julia. Ein Crowdfunding kam aufgrund des schwer überblickbaren Handlings mit Gutscheinen und Giveaways nicht infrage. Ein Bankkredit wäre zu zeitaufwendig gewesen.

Ganz aufwandslos ist das Crowdlending aber natürlich auch nicht abgelaufen. „Gerade die Anfangszeit war zeitintensiv“, musste doch ein Firmenprofil angelegt werden. Zudem mussten Julia und Katharina und über den Zeitraum der Kampagne mit Investoren Kontakt halten. Allerdings bot sich dadurch auch eine gute Möglichkeit, Freunde und Bekannte, die schon länger an einer Investition in Lokaldesign interessiert waren gezielt anzusprechen. Nach ca. 4 Wochen war das Crowdlending erfolgreich abgeschlossen und die 12.000€ von insgesamt 24 Investoren eingesammelt. Knapp die Hälfte dieser kam dabei aus dem Netzwerk von Lokaldesign, die andere Hälfte kam aus dem Anleger-Netzwerk von finmar.

„Lokaldesign ist ein Lifestyleprodukt, das sehr positiv aufgeladen ist. Man kann Jungdesigner unterstützen und gleichzeitig sein Geld zu einem Zinssatz anlegen, den man von keiner Bank bekommt“, erklärt sich Julia das Interesse der Investoren und den Erfolg des Crowdlendings.

Lokaldesign startet durch: Mit neuen Vertriebswegen und eigener Produktion.

Bis zu 10.000 Besucher dürfen nun auf der Blickfang Designmesse die vielversprechendsten Mode-, Schmuck- und Möbeltrends hautnah erleben. Mittendrin unsere Crowdlending-Heldinnen von Lokaldesign!

Bilderleiste mit Schreibtisch von LokaldesignDesignliebhaber können sich zudem auf den bald erscheinenden neuen Katalog und auf eigens entwickelte Produkte von Lokaldesign freuen. Denn in Zukunft wollen Julia und Katharina einen Fokus auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen setzen und eigene Kleinserien entwickeln. Ihr erstes Produkt, eine Bilderleiste kann schon jetzt in Laden erworben werden.

Wir wünschen Julia und Katharina viel Erfolg für Messe und Produktion!

 

Zu Besuch bei unserem ersten finanzierten Projekt – kleinerdrei. Post #48

Logo von kleinerdreikleinerdrei – wie der Name schon andeutet, findet man hier alles für Menschen unter drei Jahren und für die (werdenden) Eltern besagter Menschen: einen Mix aus Hebammenpraxis, Kursangeboten (von Yoga für werdende Mütter bis Tanzen für Kleinkinder) und einem Laden, gefüllt mit schicker Kindermode, praktischer Austattung und sinnvollem Spielzeug.

kleinerdrei öffnete seine Tore im Herzen der Hamburger Schanze Mitte Juni und finmar war von Anfang an dabei. Als unser erstes Finanzierungsprojekt überhaupt sind wir natürlich besonders interessiert daran, zu erfahren, wo die Firma heute steht. Daher trafen wir 4 Monate später die Geschäftsführerin Nick Beholz wieder, um ein Zwischenfazit zu ziehen und zu erfahren, wie es weitergeht.

bei kleinerdrei im Laden

 

finmar: Ihr habt für kleinerdrei im Juni 2014 einen Kredit über 12.000€ über finmar aufgenommen. Wie kam es dazu?

Wir suchten nach einer schnellen Möglichkeit für eine Zwischenfinanzierung und da passte finmar einfach perfekt. Wir kannten Clas und Anne schon durch das betahaus und finden die Idee hinter finmar super.

finmar: Habt ihr auch über andere Finanzierungsmethoden nachgedacht?

Wir hatten auch ein „traditionelles“ Crowdfunding angedacht, die Idee aber dann schnell ausgeschlagen, weil der Aufwand, der mit einem solchen Crowdfunding verbunden ist, in unserer Startphase, in der 1000 Dinge zu tun waren, einfach zu groß gewesen wäre. Zudem hat der Prozess, den wir für einen Bankkredit durchlaufen mussten, zu lange für eine Finanzierung der ersten Schritte gedauert. Bei finmar hatten wir die Finanzierung innerhalb weniger Wochen.

finmar: Wo seht ihr die Vorteile eines Crowdlendings? Was war eher schwierig?

Es ist eine gute Möglichkeit für eine schnelle Zwischenfinanzierung über Summen, die man bei Banken aufgrund der geringen Höhe schwer bekommt. Für die Investoren ist es eine gute Anlagemöglichkeit mit einem relativ geringen Risiko.

Natürlich ist vieles für Investoren noch erklärungsbedürftig, da diese Art der Finanzierung so neu ist. So haben am Anfang viele den Anmeldeprozess nicht verstanden und kamen mit Fragen zu uns zurück. Aber das ist natürlich alles ein Lernprozess.

Natürlich war das Crowdlending für uns auch mit einem Aufwand verbunden, jedoch hatten wir durch die langjährige Arbeit der Schanzenhebammen bereits ein großes Netzwerk, daher war es für uns relativ einfach, die Leute zu aktivieren.

finmar: Ihr habt jetzt ein Netzwerk von 20 Investoren dazugewonnen. Wie ist der Kontakt?

Rund die Hälfte der Leute kannten wir bereits, da war der Kontakt und das Vertrauern also sowieso schon da. Die andere Hälfte waren uns unbekannte Leute, die finmar kannten und auf eine gute Investitionsmöglichkeit gewartet haben. Bis jetzt ist von denen allerdings noch niemand in den Laden gekommen und hat mal nach dem Rechten geschaut. Zumindest hat sich keiner getraut was zu sagen.

finmar: Und wofür habt ihr das Geld dann genutzt?

Das Geld haben wir für eine Erstbefüllung des Ladens mit Babykleidung, Spielzeug etc. eigesetzt, damit der Laden bei der Eröffnung nicht halb leer ist. Außerdem haben wir noch einiges an Ausstattung für die Kursräume benötigt.

1406_HAM_k3_stillfiles_6798finmar: Und wie ist das Zwischenfazit, 4 Monate nach der Eröffnung?

Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung. Wir profitieren natürlich sehr von den bereits bestehenden Nutzern der Kursangebote der Schanzenhebammen. Durch den Shop können jetzt auch noch viele der Materialien, die in den Kursen vorgestellt werden, auch direkt bei uns gekauft werden, etwa Tragetücher, Stillkissen oder Beißringe.

Wir merken auch, dass uns gar nicht die großen Kommunikationsmaßnahmen wie Zeitschriftenartikel über uns weiterbringen, sondern wir uns eher auf das Viertel und unser Netzwerk stützen können. Mund-zu-Mund-Propaganda ist einfach die Beste Werbung, daher sorgen wir dafür, dass sich unsere Kunden bei uns immer pudelwohl fühlen.

finmar: Was sind Eure nächsten Schritte? Wo geht die Reise hin?

Wir bauen gerade extrem das Kursprogramm aus. Dort liegt auch einfach unsere Expertise: Tolle Kurse für Schwangere, Eltern und Kinder bis 3 Jahre. Generell wollen wir Leuten einen Ort bieten, wo sie nach dem positiven Schwangerschaftstest hinkommen können und direkt alles Wichtige finden: von der Hebamme über alle wichtigen Kurse vor und nach der Geburt bis zum Musikkurs, zu dem sie ihr Kind auch noch mit 2 Jahren schicken können. Gerade beim ersten Kind ist es für die Eltern wichtig, dass alles stimmt, und dabei können wir helfen.

Darüber hinaus möchten wir nächstes Jahr einen Onlineshop aufbauen, da das vermehrt nachgefragt wird. So erhoffen wir uns noch mehr Reichweite für unser Angebot.

finmar: Wir wünschen Euch viel Erfolg dabei und unsere Tür ist immer offen, wenn ihr mal eine weitere Zwischenfinanzierung benötigt!

 

Sind Sie auch daran interessiert, in eine Firma zu investieren oder führen Sie eine Firma, die einen Kredit benötigt, dann jetzt zu finmar.

„Das Kleinanlegerschutzgesetz verhindert Investitionen.“ Post #47

Drei ParagraphenzeichenNach dem Skandal um die Prokon Pleite sieht sich der Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Bundesjustiz- und Bundesfinanzministerium planen die Ausweitung der Regulierung des Kapitalmarktes. Dazu soll das Vermögensanlagenschutzgesetzes (VermAnlG) verändert und in seiner Gültigkeit erweitert werden. Diese Regulierung würde auch die Finanzierungsform des Crowdfunding betreffen.

Die Folgen des geplanten Kleinanlegerschutzgesetzes für das Crowdfunding:

  • Werbeverbot für Crowdfunding-Kampagnen auf facebook, twitter, etc.
  • Deutliche Risikohinweise auf jeder Art von Werbung
  • Anleger hätten die Pflicht zum Ausdrucken, Unterschreiben und postalischen Verschicken eines Vermögensanlage-Informationsblattes (VIB) ab einer Einlage von 250 Euro
  • Maximal 1 Mio Euro dürften Unternehmer pro Kampagne einsammeln
  • Anleger dürften sich mit maximal 10.000 € pro Kampagne beteiligen

Wir haben Johannes Tschesche gefragt, wie er die Pläne um das so genannte Kleinanlegerschutzgesetz aus Anlegersicht bewertet. Johannes Tschesche kennt und beobachtet seit Jahren die deutsche Startup- und Kleinunternehmen-Szene. Crowdfunding ist in den letzten Jahren dabei wichtiges Standbein des Portfolios geworden. Auf seinem Blog blog.smallcapservice.de informiert er regelmäßig über Trends, Risiken und Chancen des Crowdfunding und gibt Anlegern, die in Startups und Kleinunternehmen investieren wollen, Hilfestellungen. Wie kaum ein zweiter kann er deshalb aus Anlegersicht zu den geplanten Auswirkungen des neuen Kleinanlegerschutzgesetzes Stellung nehmen.

Herr Tschesche, die Bundesregierung möchte mit diesem Gesetz die deutschen Kleinanleger vor einem zweiten Prokon bewahren. Schützen diese Maßnahmen tatsächlich vor einer Fehlinvestition?

Diese Maßnahmen können in Einzelfällen nicht nur vor Fehlinvestitionen schützen, sondern sie werden es auch. Es werden nämlich sehr viele potenzielle Investoren nicht mehr investieren, weil es zu umständlich ist. Und wer nicht investiert, kann konsequenterweise auch keine Fehlinvestitionen tätigen. Aber die Beschneidung von Möglichkeiten kann keine Lösung in einem Land sein, welches sich für aufgeklärt hält und seinen Bürgern was von Freiheit und Selbstbestimmung erzählt. Ein Werbeverbot für Crowdfunding-Kampagnen in sozialen Netzwerken würde das Aus für die Schwarmfinanzierung bedeuten. Schließlich funktioniert das Konzept nur mit sozialen Netzwerken.

Was bringen die geplanten Risikohinweise und das Unterschreiben des Vermögensanlage-Informationsblattes aus Ihrer Sicht?

Einen deutlichen Risikohinweis auf jeder Art von Werbung fordere ich ebenfalls. Das ist überfällig. Insbesondere bei Anlagen, bei denen ein Totalverlust möglich ist, gehört dieser Hinweis auf jede Seite des Vertrags! Dieser Sachverhalt kann nicht oft genug und deutlich genug klar dargestellt werden.
Im Gegensatz zu den Anbietern diverser andere Kapitalanlagen sind die Crowdfunding-/Crowdinvesting-Portale in Deutschland an dieser Stelle aber sehr vorbildlich. Alle weisen überaus deutlich auf die Risiken hin. Wer das nicht mitbekommt, will es nicht wissen. Wenn man vergleichsweise in die Hochglanzprospekte der regulierten offenen Fonds oder die meisten Wertpapierprospekte schaut, wird man eine derart offene Kommunikation der Möglichkeit eines Totalverlustes nicht finden.
Im Zusammenhang mit Risikohinweisen sehe ich auch das Vermögensanlagen-Informationsblatt. Eine Art Klarvertrag für Kapitalanlagen befürworte ich ja ebenfalls schon länger. Dass sowas ausgedruckt, unterschrieben und postalisch versandt werden muss, ist natürlich totaler Schwachsinn. Wir kommunizieren heute auch nicht mehr mit Rauchzeichen. Derartige Regeln sind völlig realitätsfern. Aber natürlich muss technisch sichergestellt werden, dass diese Informationen angeboten wurden. Das kann man aber mit einem Double-Opt-In-Verfahren problemlos realisieren.

Aber die Funding-Ziel-Begrenzung auf eine Million und die maximale Anlage von 10.000 € pro Anleger könnten doch zum Schutz der Anleger hilfreich sein, oder?

Die Beschränkung auf 1 Mio. Euro als Funding-Ziel oder die Beschränkung eines einzelnen Investments auf maximal 10.000 Euro sind nicht sinnvoll. Wenn man davon absieht, dass die Prospektpflicht in ihrer aktuellen Ausgestaltung generell völliger Unfug ist, dann ist die Grenze für eine Ausnahme bis zu einem Betrag von 1 Mio. Euro für die Crowdfunding-Portale natürlich eine positive Entwicklung. Aber nur auf den ersten Blick. Bestimmte Branchen, wie z.B. der Maschinen- und Anlagenbau, werden so mittels Schwarmfinanzierung praktisch nicht finanziert werden können. Man darf auch nicht vergessen, dass die Portale Geld verdienen müssen, um dauerhaft existieren zu können. Dazu müssen die Umsätze noch deutlich steigen. So gesehen wäre also ein größerer Spielraum von mindestens 5 Mio. Euro für eine Ausnahme von der Prospektpflicht wünschenswert.
Warum man außerdem maximal 10.000 Euro investieren dürfen soll, ist ebenfalls fraglich. Beispielsweise wird so die Möglichkeit genommen, dass ein Lead Investor mit an Bord genommen wird. Dabei könnte gerade ein solcher sehr positiv für alle Beteiligten sein. Abgesehen davon ist auch hier die Grenze von 10.000 Euro völlig willkürlich. Man darf sich ja auch ohne staatliche Regulierung überteuerte Schrottimmobilien kaufen oder sein Geld im Kasino verspielen. Und warum sollten vermögende Investoren hier benachteiligt werden?

Hätten diese Maßnahmen die Prokon-Anleger geschützt? Würden die Prokon-Anleger heute besser dastehen, wenn es das Kleinanlegerschutzgesetz schon früher gegeben hätte?

Der Gesetzgeber sollte sich weniger Gedanken um ein zweites Prokon machen. Denn die meisten Verschärfungen des Kleinanlegerschutzgesetzes hätten bei Prokon überhaupt nicht gegriffen. Der Gesetzgeber muss verstehen, dass sich kriminelle Machenschaften nicht wegregulieren lassen. Wichtiger als vom Regulierungswahn getriebene Einschnitte in die unternehmerische Freiheit und in das Selbstbestimmungsrecht freier Bürger ist die Ermittlungsfähigkeit der existierenden Behörden. Was bringt ein Wertpapierprospekt, welches nur auf Formalitäten geprüft wird? Was bringen zusätzliche Ermächtigungen für die BaFin, wenn es um Betrug geht? Das ist dann und ist jetzt ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Wenn also Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass jemand betrogen wird, kann man also auch mit der jetzigen Gesetzeslage wunderbar agieren, wenn man denn wollte. Die BaFin kann und sollte gewisse Aufgaben schlicht nicht leisten, weil sie dafür nicht vorgesehen ist. Dafür gibt es andere Organe. Dem Anleger ist nicht damit geholfen, wenn mittels eines Kleinanlegerschutzgesetzes der Bock zum Gärtner gemacht wird.

Abgesehen davon: Als Anleger/Investor mit überdurchschnittlichen Renditeerwartungen muss man eben auch mit einem überdurchschnittlichen Risiko rechnen. Auch ein Totalverlust gehört eben dazu.

Crowdinvesting wird gern als Teil des „grauen Kapitalmarktes“ bezeichnet. Als Plattform empfinden wir das als falsch, weil wir uns sehr um Transparenz auf allen Seiten bemühen und deshalb ungern mit Zwielichtigkeit in Verbindung gebracht werden. Können Sie es aus Anlegersicht dennoch verstehen, wenn diese Bezeichnung hin und wieder genutzt wird?

Die Unterscheidung der Kapitalmärkte nach grau, schwarz und weiß ist nicht sinnvoll. Außerdem funktioniert sie auch nicht. Aus Anlegersicht kann ich die Verwendung des Begriffes überhaupt nicht verstehen. Die alleinige Zugehörigkeit zum grauen Kapitalmarkt hat keinerlei Bedeutung. Als Anleger kann man daraus weder ableiten, wie sicher die Anlage ist, noch eine Bewertung hinsichtlich einer möglicherweise erzielbaren Rendite vornehmen. Der graue Kapitalmarkt ist auch kein Tummelbecken für Kriminelle, wie es teilweise in den Medien propagiert wird. Er ist weder gut, noch schlecht.

Haben Sie einen Tipp für Anleger, wie sie für sich größtmögliche Transparenz herstellen können und aufgeklärte, eigenständige Anlageentscheidungen treffen?

Als Anleger ist die Gewinnung von Informationen über das jeweilige Investment von entscheidendem Interesse, nicht die Zugehörigkeit zu irgendeinem Kapitalmarkt. Das bedeutet einerseits, dass man in Erfahrung bringen muss, welche Unternehmen und Personen dahinter stehen. Sobald man das weiß, kann man Recherchen über den Werdegang dieser Personen anstellen. Das ist heute mit Hilfe des Internets recht bequem geworden. Das Rechercheergebnis sagt dann oftmals mehr als jedes Wertpapierprospekt. Wenn dann beispielsweise jemand ohne jegliche Ausbildung und Reputation an der Spitze eines internationalen Fonds steht, dürfte das wenigstens ein Anzeichen dafür sein, dass man noch genauer hinschauen muss. Oftmals finden sich über windige Geschäftemacher bereits viele Berichte. Aber auch da muss man prüfen, wie vertrauenswürdig diese sind. Auch über die Unternehmen lässt sich mit Hilfe von hinterlegten Dokumenten, die man über das Handelsregister bekommt, eine Menge in Erfahrung bringen. Nicht zuletzt muss man das Geschäft verstehen, in welches man investiert. Im Idealfall rechnen Sie persönlich nach, wie die versprochene Rendite zustande kommt oder mit welchen Ergebnissen unter Ihnen als glaubhaft zugrundegelegten Zahlen zu rechnen ist. Wichtig ist außerdem, dass man sich die jeweiligen Vertragsunterlagen (meist Beteiligungs-, Darlehens- oder Zeichnungsunterlagen) in Ruhe durchliest und versteht. Im Zweifelsfall sollte man bei jemandem (dem man vertraut) nachfragen, wenn man etwas nicht versteht. Die Investition betreffenden Fragen sollten von der Partei mit Kapitalbedarf auch dann zeitnah und sachlich bearbeitet werden, wenn sie sehr kritisch sind. Möglicherweise kann man auch durch eine Besichtigung des Unternehmens Fragen beantworten. Auch Jahresabschlüsse können eine wertvolle Hilfe sein. Die Aussagekraft irgendwelcher Scores von Wirtschaftsauskunfteien hingegen sind mit Vorsicht zu genießen. Man sollte sich auch keinesfalls unter Zeitdruck setzen lassen oder in etwas investieren, nur weil es gerade im Trend liegt. Alleine aufgrund von Hochglanzprospekten oder ausgefeilten Vorträgen und Filmen sollte niemand investieren.

Vielen Dank für das Interview, Herr Tschesche.

Fidor erleichtert Unternehmern den Zugang zum finmar Crowdlending – Post #46

Die Fidor Bank erweitert ihr Angebot für ihre Geschäftskunden. Unternehmer mit einem kostenlosen Fidor Smart Geschäftskonto können nun unter anderem noch direkter eine finmar Crowdlending Kampagne zur Finanzierung ihrer nächsten unternehmerischen Schritte starten.

Fidor erleichtert den Zugang zu Crowdlending Krediten und stärkt die unternehmerische Freiheit.

finmar im Fidor Geschäftskonto
Ein Klick und finmar ist da.

Für mittelständische Unternehmer bedeutet die Erweiterung, dass sie nun aus ihrem normalen Fidor Smart Geschäftskonto heraus jederzeit eine Crowdlending Kampagne für einen Kredit starten können. Mit einem Klick auf die neue Rubrik Crowdfinance gelangen sie zu finmar. Das erleichtert den Unternehmern den Zugang zu Geld und stärkt so ihre unternehmerische Freiheit. Denn anders als bei herkömmlichen Geschäftskrediten  hat der Unternehmer im Crowdlending die Möglichkeit, das Zustandekommen seines Kredits durch Eigenwerbung maßgeblich zu beeinflussen.

Mit einer Kampagne präsentiert sich der Unternehmer selbst, sein Unternehmen und seine Projekte. Damit wirbt er dann aktiv im eigenen Umfeld um Beteiligung: Bei Kunden, Kontakten oder bei anderen Fidor Kontoinhabern.

Gewinnt der Kreditnehmer genügend Anleger, die seinem unternehmerischen Vorhaben vertrauen und  gegen überdurchschnittliche Zinsen Geld verleihen wollen, kommt der Kredit zu Stande. Der Kreditbetrag wird dem Fidor Geschäftskonto gutgeschrieben und der Unternehmer kann sein Projekt umsetzen, während er monatlich gleichbleibende Raten zur Tilgung seines Kredits zahlt.

Fidor und finmar machen es durch diese Maßnahmen Unternehmern wieder leichter, an Kapital für ihre Unternehmen zu kommen.