Das ist Crowdlending – Post #21

Oft gehört und doch verwirrt: Was ist Crowdlending eigentlich genau? Wo ist der Unterschied zum Crowdfunding oder zum Crowdsourcing?

Kurz gesagt: Crowdlending ist eine Form des Crowdfunding. Crowdfunding ist wiederum eine Form des Crowdsourcing.

Wer Crowdfunding nutzt, sammelt Geld von einer Vielzahl von Geldgebern ein. Die Unternehmensberatung Massolution nennt in ihrem Crowdfunding Industry Report (www.crowdsourcing.org) vier Arten des Crowdfunding:

1.    Equity-based Crowdfunding ist das Einsammeln von Eigenkapital. Hierbei holt der Unternehmer viele Anteilseigner ins Boot, die seinen wirtschaftlichen Erfolg mittragen. Die Investition ist langfristig.

2.    Beim lending-based Crowdfunding sammelt der Unternehmer Fremdkapital von der Masse der Investoren ein. Er leiht sich Geld, um es bald darauf verzinst zurückzuzahlen.

5 Arten des Crowdfunding: royalty-based crowdfunding, equity-based crowdfunding, reward-based crowdfunding, donation-based crowdfunding, lending-based crowdfunding3.    Das reward-based Crowdfunding verspricht den Beteiligten eine Belohnung für ihr Geld. Meistens ist diese Belohnung ein Produkt.

4.    Crowdfunding mit Donation-Ausrichtung zielt auf das Einsammeln von Spenden ab.

Auf finmar werden wir ein spezielles lending-based Crowdfunding (Crowdlending) anbieten. Hinter jedem Kreditprojekt wird dann ein mittelständisches geschäftliches Vorhaben stehen.

Eine Woche Bootstrapping und Crowdlending – Post # 15

Von Lena Clausen und Clas Beese

Aus der Reihe „besser spät als nie“ präsentieren Lena & Clas hier endlich eine Zusammenfassung einer Woche, die sich nur um das Thema bootstrapping und Crowd-Finanzierung drehte. Drei Veranstaltungen zu diesen Themen in nur einer Woche hielten uns auf Trapp – wie immer Zufall-sei-Dank völlig ungeplant.

Wir starten Montagabend. Creative Monday. Veranstaltet von Frank Lemloh im Namen der Bundesinitiative Kultur- und Kreativwirtschaft (http://www.facebook.com/CreativeMondayNord) im betahaus hamburg. Die Hütte ist voll. Ein Regal wird zur Seite geräumt, damit alle sehen können. Alternative Finanzierungsmöglichkeit – vor allem in der Kreativwirtschaft – ist das Thema, was so viele Menschen angezogen hat.

Wir stellen unsere Lieblingsform des Unternehmengründens und dem damit eng verbundenen Unternehmenfinanzierens vor: Bootstrapping.
(What Lena thinks bootstrapping is: Des bootstrappens bedienen sich Gründer, die sich Unabhängigkeit bewahren wollen und einen nachhaltigen Unternehmensaufbau bevorzugen. Statt Venture Capital oder andere Formen der Investor-zentrierten Fremdfinanzeriung bevorzugen sie finanzielle Alternativen und einen kreativen Umgang mit Geld und Ressourcen.)

Die Methoden und Vorgehensweisen beim bootstrapping sind vielfältig, aber stellen zumeist den Mensch und das Netzwerk in den Vordergrund: Menschen aus dem eigenen Umfeld zu Unterstützern für die eigene Idee machen, zu potentiellen Nutzern des Produktes und Mitarbeiter zu Partnern im Unternehmen. Typisch bootstrapping ist auch, das Produkt als schlanken Prototyp (MinimumViable Product) sehr früh zu launchen und eine Feedback-Schleifen mit Kunden zu etablieren, die wichtigster Bestandteil des iterativen Vorgehen bei der Produktentwicklung wird.

Nicht zuletzt beziehen sich viele bootstrapping-Methoden auf das Finanzmanagement des Unternehmens, das heißt ein proaktiver Umgang mit dem cashflow, kurze Vertriebszyklen, kurze Forderungszyklen, lange Zahlungsziele für Beschaffungen und wiederkehrende Geldflüsse.

Die Vorteile des bootstrappens sind vor allem die Unabhängigkeit von Groß-Investoren, eine intensivere Arbeits- und Teamatmosphäre, der Aufbau einer community statt eines Kundenkreises, die verkürzte Zeit bis Marktreife sowie ein wohlüberlegter, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen.

Am zweiten Abend geht es um crowdlending. Und das kommt nicht von Ungefähr: das betahaus hamburg hat sich selbst ge-crowd-lendet. Und das schon im Jahr 2010 – ohne jegliche Plattform im Internet – seiner Zeit voraus und aus der Not ne Tugend gemacht!
Die Not: Banken lehnten Kreditanfragen für das betahaus ab. Coworking war bis dahin in Hamburg noch nicht bekannt und daher die Erfolgswahrscheinlichkeiten einer „arbeitenden Hippiekommune“ für Bänker schlicht nicht einzuschätzen.

Die Tugend: das betahaus kommt nicht aus der retorte, sondern entwickelte sich in und aus der großen Hamburger coworking-Initiative aus potentiellen Nutzern: freelancer, Unternehmensgründer und Selbstständige. Die Initiative – die Crowd sozusagen – war es auch, die das für die Einrichtung notwendige Kapital zur Verfügung stellte: zusammengesetzt aus vielen kleinen Beträgen als Darlehen. Und zwar nicht einer alleine, sondern von vielen. Coworking und co-investing passen gut zueinander. Crowdlending ist eine Ausprägung von Crowdfunding. Über Crowdlending-Plattformen verleihen Privatpersonen als Kreditgeber Geld an andere Personen, Gründer oder auch Unternehmen.

Dass dieses Modell die Grundlage für ganze Geschäftsmodelle sein kann, wie das von Finmar, war Inhalt beim Meeting der betahaus-crowd-Finanzierer an diesem Dienstag Abend. Spannend, ob das betahaus hamburg auch die Vorreiterrolle übernehmen wird für die nächste Entwicklungsstufe von Crowdlending.
(What Clas says: Es wird ein Sekundärmarkt für Crowd-Investments entstehen. Forderungen aus Crowd-Krediten werden handelbar. Bei mehrjährigen Laufzeiten ändern sich Interessen, Geschäftsmodelle und auch der Liquiditätsbedarf von Kreditgebern als auch Kreditnehmern.

Mittwoch. Ortswechsel: Modul 57. 19.00 Uhr. Der Hannoveraner Co-Working Space lädt Bootstrapper und Finanzfüchse zum Austausch ein. Üblicherweise ist das Modul 57 ein Co-Working nach dem state-of-the art. An diesem Tag jedoch mit ausgewöhnlichen Usern: Circa 50 Controller aus dem TUI-Konzern haben ihr Jahrestreffen und lassen am Abend 15 Gründer aus Hannover dazu stoßen. Lena und Clas wagten das Experiment, diese zwei Welten zu verbinden: die Idealismus- und Ideen-getriebene Lebenswelt der Start-ups mit der Ergebnisorientierung eines Konzerns. So die Theorie. Spannend stellen sich Lena und Clas die Überschneidung beider Lebenswelten vor. Und so werden nach kurzen Impulsvortägen die Teilnehmer mit gemeinsam zu lösenden Aufgaben konfrontiert. Jede Gruppe bekommt eine Geschäftsidee und eine Gründungsintention zugeteilt und soll nun einen Elevatorpitch und Crowdlendingkonzept für potentielle Investoren erarbeiten.

Gruppe A: Kunden schließen ein Abo ab. Jeden Monat gibt es eine neue Städtewochenendreise. Das Ziel wird kurzfristig bekannt gegeben – so dass der Verantalter immer die gerade preiswerteste Reise einkaufen kann. Logischerweise ist die Rendite für den Veranstalter fabelhaft.

Gruppe B: Barrierefreie Reisen für Rollstuhlfahrer. Bewährte Qualität, aber endlich integrativ. Soziale Anliegen und Geschäftstätigkeit werden verbunden. Social Entrepreneurship – dazu kann kein Invenstor „Nein“ sagen.

Gruppe C: Reisesparen. Die Kunden sparen jeden Monat einen Betrag bei ihrem Reiseveranstalter an. Nach 12 Monaten geht die Reise los. Die Liquidität: tiefenentspannt.

Gruppe D: Weltraumtourismus! Reisende aller Herren Länder erfahren Schwerelosigkeit und andere Phänomen beim Flug ins All. Beste Idee seit Geschnitten-Brot.

Mit der Aufforderung sich jeweils der Gruppe anzuschließen, an deren Schwerpunkt (Rendite, Liquidität, der Mensch oder die Idee) man persönlich am meisten glaubt, sorgt für die Überraschung der Woche. Bei den renditeorientierten Aboreisen sitzen nur 5. Beim liquiditästorientierten Reisesparen: dank Mitleidsbonus immerhin 2. Bei den sozialen Rollstuhlfahrerreisen tummelt sich eine beachtliche Gruppe und schliesslich dem ideenorientierten Weltraumtourismus: weit über die Hälfte aller Teilnehmer. Wir staunen Bauklötze: sind also doch gar nicht so zahlenorientiert, die Finanzfüchse.

Nachdem später am Abend die Konzepte ausgearbeitet und gepitcht sind bekommt jeder € 250. Gedanklich. Einmal. Um sie jetzt einem Projekt zu leihen. Und auch hier sind wir alle konsequent: Das Geld geht in gleichen Anteilen an den Weltraumtourismus und die Rollstuhlfahrerreisen. Reiseabo und Reisesparen gehen leer aus. Übertragen auf Crowdlending eine weitere Theorie zur Motivation der Geldgeber. Es geht um Menschen und Ideen.

Später an der Bar: „Wir wollen doch alle in Jahr 3 leben. Als Controller kriege ich so viele Businesspläne in denen Ertrag und Liquidität stimmen. Ob das wirklich so kommen wird, können wir doch auch nicht erkennen.“ Natürlich werden Entscheidungen anders getroffen. Ob das wohl auch irgendwann einmal offen in großen Unternehmen diskutieren wird?
Vielen Dank an dieser Stelle an das Team vom Innovationsmanagement der TUI für die Einladung. Nachdem die Idee des Weltraumtourismus in der Gruppenarbeit von Kritikern zerredet wurde und die Komprisslösung ein Hotelzimmer im Stil einer Weltraumkapsel wurde: Eure Aufgabe ist klar! Fliegt uns zum Mond.

 

Kleine Presseschau – Post #14

On- und offline wird die Entwicklung im Crowdlending Bereich mit Spannung verfolgt. Der große Durchbruch ist prognostiziert. Auch die Bankenwelt schaut aufmerksam zu. Verwirrung besteht weiterhin, welcher Begriff zu welchem Angebot passt. Crowdlending, Crowdfunding, Social Lending, Peer-to-Peer Lending, … Doch dazu demnächst ein dezidierter Blogeintrag!

Als Einstiegsartikel durchaus lesenswert: Die Zeit Online hat zwar den Aufmacher „Kredite en masse“, im Artikel geht es dann doch etwas bodenständiger zu. Mit Hilfe zweier Fallbeispiele (eine Kreditnehmerin und ein Kreditnehmer) beschreibt Johannes Gernert allgemein, was Crowdlending und Crowdfunding eigentlich sind.

Tiefer geht der Artikel „Ohne Bank zum Ziel“ im Magazin t3n.de. Kathrin Schmidt unterscheidet darin zwei Crowdlending-Modelle: das schon immer dagewesene Family&Friends-Modell und den Online-Marktplatz. finmar hofft, die Trennung aufheben zu können und Freunde&Familie als Kreditgeber ins Internet holen zu können. In Deutschland steht Crowdlending laut Schmidt noch vor dem Durchbruch als Massengeschäft. Laut Schmidt sehen die Perspektiven allerdings gut aus, denn ihr zufolge gelten Kreditportale „heute selbst unter Experten als guter Weg, unkompliziert und günstig Geld zu leihen.“ Zwei Baustellen verhindern noch den Durchbruch: Bekanntheitsgrad und Vertrauensgewinn. Auch wenn, „das Marktplatzprinzip für Transparenz [sorgt] und somit dafür, dass sowohl Kreditgeber als auch -nehmer attraktive Konditionen bekommen“, werden Marketing und Vertrauensaufbau zentrale Aufgaben bleiben.

Der große Durchbruch steht zwar erst noch bevor, die Banken scheinen Crowdlending langsam aber stetig auf ihren Radar zu bekommen. Im Bankmagazin wird der „Branchenkompass Kreditinstitute 2011“ zitiert: Danach sieht gut jede dritte Bank in Crowdlending-Plattformen eine ernstzunehmende Konkurrenz. Sie zählen damit zu den fünf wichtigsten branchenfremden Wettbewerbern. Lothar Lochmaier hat bereits im Dezember 2011 in Bezug auf die Finanzmärkte über die „[…] Erneuerung […] von der gesellschaftlichen Basis her“ gebloggt und dabei auch auf finmar verwiesen. Doch, werden diese Modelle wirklich „[…] schon in wenigen Jahren ein integraler Bestandteil der Bankgeschäftsmodelle sein“?

Auf internationaler Ebene begründet das Euromoney Magazine, warum Crowdfunding und Crowdlending-Angebote traditionelle Bankkredite herausfordern. Dabei seien die Vielfalt und Spezialisierung der Angebote, die Dynamik des Marktes und schlicht zunehmende Netzwerkeffekte entscheidend.

Vor lauter Überschwang sollten zwei Dinge nicht vergessen werden: Zum Einen ist das Volumen der mittels Crowdlending vermittelten Kredite weiterhin relativ gering. Zum Anderen findet Crowdlending derzeit größtenteils in Bereichen statt, die für Banken nicht sonderlich interessant sind.

Wir freuen wir uns über mehr und mehr Erwähnungen unseres Modells in Print- und online-Medien. Im Euromoney Artikel wird Clas zitiert und auf finmar als erstes Crowd-to-Business Lending Modell verwiesen. Clas’ Auftritt als Referent bei der co:funding Konferenz am 4. Mai in Berlin fand in diversen Online Medien und der taz Erwähnung.

Social Media zur Finanzierung von Geschäftsideen – Post #13

Im Rahmen der Social Media Week Hamburg finden heute zum vierten Mal die Gründerworkshops Hamburg statt. Gastgeber ist IBM mit Global Entrepreneur Programme. Die Gründerworkshops sind als Alumnitreffen des Start-up Weekends im letzten Mai entstanden. Ganz herzlichen Dank an Yasha von Resmio und Serhat von Toptranslation für das Organisieren!

Mit einer kurzen Keynote versucht Clas heute Abend die Themen Social Media, Crowdfunding und Finanzierung von Gründungsideen in Verbindung zu setzen. Mit dem Fazit, dass Social Media es erst ermöglicht richtig Crowdfunding bzw. -Lending zu betreiben. Für Teilnehmer der Veranstaltung, hier sind die Folien.

Logbuch 2011 – Post #10

Am Anfang war das Wort. Wörter.  Social lending, crowd funding, crowd lending, paypal, banking, disagio, mission – projektmatrix.

Eine Projektmatrix hatten wir erarbeitet. Johanna als Projektleiterin. Nach reiflicher Überlegung schien ihr das dann doch als zu gewaltig. Clas musste ran. Unter Finanzierung stand ein Startkapital von 200.000 €. Auch das erschien zu gewaltig. Bootstrapping war angesagt.

Phillip als Fachmann schob ein anderes Problem in den Vordergrund: „Personen sind es, für die ihr eine Plattform schaffen wollt. Welche?“
Phillip opferte einen Vormittag, dann wussten wir, was unter dem Begriff „Personas“ zu verstehen ist. Also wurden die Zielgruppen definiert. Sie bildeten die Basis für eine Marktbefragung. Die Antworten fielen mehrheitlich positiv aus (Post #6). Immerhin 80 % der Befragten konnten sich vorstellen die Plattform zu nutzen.
Bei den potentiellen Kreditnehmern zeigte sich auch Skepsis: Nur 44 % meinten, sie würden die Plattform unter den vorgegebenen Bedingungen nutzen.

Einen Namen musste das Baby nun haben. Eine lange Sitzung wurde es am 15. April. Der Name sollte kurz sein, einprägsam, im Web noch nicht vergeben. Darüber hinaus sollte der Name auf das USP der Plattform hinweisen: Die Verbindung von Finanzierung und Marketing. Am Ende kam „Finmar“ dabei heraus.

Zwischenstop Ende Mai: Das Team wird zur Crew: Johanna, Clas, Olli, Thomas, unterstützt von Anne, segeln. Kiel-Fehmarn und zurück. Um das Schießgebiet herum. Wir lernen uns kennen. Gutes Gefühl.

Ende Juli wird klar, das Projekt braucht den „Ganzen Mann“. Clas steigt voll ein, schlägt sein Hauptqartier im betahaus hamburg auf.

Der Blog Finmar startet mit dem One-Pager über das Unternehmen am 24. August. Vor dem Innovativkreis des Vereins „Finanzplatz Hamburg e.V.“ in der Handelskammer pitchen Clas und Thomas die Idee zum ersten Mal. Geballtes Unverständnis, nur einer begreift. Wir posten einen diplomatischen Blog.

Der September ist der Monat der Rechtsfragen. Clas rotiert: Rechtsanwälte, Handelskammer, Bafin, Bundesbank, Finanzamt, Bezirksamt. Finmar erhält die Erlaubnis zur Vermittlung von Darlehen. Bleiben das KWG, die Bafin. Hier werden wir mit einer Partnerbank zusammenarbeiten.

Der Lehrstuhl für Gründungsmanagement (Professor Schulte) an der Leuphana Universität Lüneburg schreibt drei Themen für Masterarbeiten aus: „Motivation der Geldgeber“, „Erfolgsfaktoren der Finanzierung“ und „Kopf- oder Bauchentscheidung  bei Geldgebern“ beschreiben die Inhalte. Am Nikolaustag erscheint Nathalie, sie will sich den Motiven der Geldgeber widmen.

Kaum zu glauben: IBM sagt ja. Finmar wird Mitglied der Smarter Planet Agenda. Wir werden unsere Begeisterung und unser Engagement zum Thema „Sozialkapital in Finanzkapital wandeln“ einbringen, IBM wird uns mit Software, Service und technischem Support unterstützen.

Zum Jahresende bleiben zwei Baustellen: Prototyping und die endgültige Festlegung von fünf Personas. Wir haben noch 24 Stunden. Die nutzen wir.

Motto für 2012: Am Anfang war die Tat!