Deutsche Bank begrüßt Crowdfunding – und sagt doch nur die halbe Wahrheit – Post #20

Die Deutsche Bank Research begrüßt in ihrem letzen Kommentar von Thomas Dapp die Entwicklungen im Bereich Crowdfunding. Zu Grunde liegt seine Publikation „Crowdfunding: An alternative source of funding with potential“.

Viele (Solo-)Selbstständige, Frei- und Kreativschaffende haben Schwierigkeiten, ihre Projekte zu finanzieren. Künftige Mittelzuflüsse – und damit die Basis für Kreditrückzahlungen – sind schwer abzuschätzen. Daneben verfügen viele der Selbstständigen meist über keine (hinreichenden) Sicherheiten oder regelmäßige Einkommensströme. Eine klassische Finanzierung über Finanzinstitute wird dadurch zur Herausforderung.“ heißt es im Kommentar.

Die Beobachtung ist richtig, aber der Schluss ist falsch. Natürlich haben Selbstständige riesige Schwierigkeiten, ihre Projekte zu finanzieren. Das ist die Lebenswirklichkeit da draußen. Mangelnde Sicherheiten und unregelmäßiges Einkommen sind vielleicht aus der Sicht einer Bank genügend Merkmale für die Stigmatisierung Selbstständiger. Diese Merkmale tragen Arbeitnehmer heutzutage aber genauso. Die Zeiten sind lange vorbei, in denen man zwischen den risiko-reichen Selbstständigen und den quasi-verbeamteten Angestellten wie zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden kann.

Viel gewichtiger ist, und das wird im Kommentar gar nicht erwähnt, dass hohe Ausfallraten bei Krediten an Selbstständige gar nicht der Grund für Absagen sind. Vielmehr sind es die Kosten für die Kreditprüfungen bei Selbstständigen. Da werden Business Pläne gelesen und analysiert, die BWAs, Jahresabschlüsse und Steuererklärungen werden nach Basel I, II,III in den Computer eingegeben und irgendwie bewertet. Dieser Aufwand kostet Geld, das Geld der Bank. Unbestätigten Schätzungen zu Folge betragen die Kreditprüfungsfixkosten in Deutschland im Durchschnitt € 1.800.

Wenn nun ein Selbstständiger von seiner Hausbank einen Firmenkredit über € 10.000 möchte, dann wird schnell klar, dass die Bank die € 1.800 für die Prüfung nicht zurück verdienen kann. Das ist der Kern des Problems, nicht etwa Ausfallraten.

Banken sagen das nicht offen. Und so hält sich stetig das Märchen von den risikoreichen, unzuverlässigen Selbstständigen, die keine Kredite zurückzahlen können. Deswegen gründen wir finmar!

Am Ende des Kommentars ist ein QR-Code zu sehen. Sorry, liebe Deutsche Bank, aber diesen Link-Tipp können wir uns nicht verkneifen: „The Problem With QR Codes“ von Scott Stratton.